Die Geschichte

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Nach 32 Jahren Fliegerei , zuletzt als Kommandant einer Boeing 747-400 , näherte ich mich 2002 mit 55 Jahren dem Ende meines Arbeitsvertrages.
Ich hatte die Entscheidung, den Vertrag um bis zu fünf Jahre zu verlängern oder etwas anderes zu machen.
Nach dem Abitur hatte ich zwei Berufswünsche: Maler oder Pilot
Nachdem ich im März 1969 meinen Wehrdienst als Musiker beendete, war ich bereits einige Monate als Gaststudent an der Kunstakademie München,
um die Wartezeit bis zum Wintersemester zu überbrücken, als die Lufthansa mit einem unschlagbaren Angebot an mich herantrat.
Nach einer einwöchigen Aufnahmeprüfung Ende Juni, bot sie mir eine Ausbildung als Linienpilot an.
Nur Idioten könnten diese Chance ablehnen.
Jetzt mit 55 Jahren aber war es Zeit, sich nach einem fehlerfreundlichen Beruf umzusehen. In der Kunst sah ich die
Möglichkeit bis neunzig dazusitzen und zu warten, bis ein höheres Wesen mir befiehlt:" Linke untere Ecke grün malen".
Wenn es dann doch die andere Ecke war, muss ich nicht befürchten mich und 400 Passagiere in den Tod zu reissen,
sondern dann male ich halt die andere Ecke grün, oder schwarz oder rot. Was halt grad befohlen wird.

Natürlich kann man nicht nahtlos von dem einen in den anderen Beruf wechseln. Da musste erst mal mein Gehirn freigeblasen werden.
Weg vom fehlerlosen Funktionieren um Mitternacht, hin zum kreativen Denken.
Ich besuchte also erst mal Malkurse. An der Städelschule bei Bernd Fischer und Nino Pezella,
der Frankfurter Malakademie, der Sommerakademie Hohenaschau, bei Peter Eleven u.a.

2006 fühlte ich mich wieder fit.
Als ich in meinem Freundeskreis von meinem Studienwunsch erzählte, sagte die Frau eines befreundeten Künstlers:
" Warum willst du denn Kunst studieren, du hast doch schon so viel Geld". Das gab mir zu denken.
Ich wollte kein Hobbymaler werden, sondern eine professionelle Ausbildung durchlaufen, aber einem armen aufstrebenden Genie wollte
ich auch nicht den Studienplatz wegnehmen. Von den Profis was lernen, das wollte ich aber.
Also bewarb ich mich 2006 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) Frankfurt , bei Prof. Willem de Rooij als Gaststudent.
Ich schrieb einen sechseitigen Brief , gab eine Mappe ab und wartete und wartete und wartete....
Es gab keine Antwort. Der Professor war nie zu sprechen und nie da, denn Professoren an der Städelschule
arbeiten 2-3 Tage. Nein, nicht in der Woche-im Monat.
Nach sechs Monaten holte ich meine verstaubte Mappe wieder ab.

Das machte mich nachdenklich. Bis dahin hatte ich in meinem Leben nur mit Leuten zu tun gehabt,
die gewisse Manieren hatten. Keine Antwort auf eine Hochschulbewerbung-das war neu.

Inzwischen hatte ich mich auch ein bisschen an der Städelschule umgehört. Von den Studenten, mit denen ich sprach ,
hatte keiner eine Arbeit von mir gesehen, aber jeder bestätigte, dass ich keinerlei Chance hätte. Eine Studentin riet mir, mein Geburtsdatum
auf der Bewerbung zu fälschen. Am 23.5.2007 sagte mir Frau Prof. Näher wörtlich:
" Ich habe so eine harmonische Klasse. Diese möchte ich mir nicht stören lassen".

Sie meinte mein Alter. Auch sie hatte bis dahin noch keine Arbeit von mir gesehen.

Es schien, dass es für Gaststudenten keine Regeln gibt. Deshalb beschloss ich, mich für 2007 als regulärer Student zu bewerben.
Als Zulassungskriterien werden Mindestalter 18 und künstlerische Begabung genannt.
Am Tag der Bewerbungsabgabe ersuchte ich den Juristen der Städelschule um einen Gesprächstermin, der mir aber verweigert wurde.
Deshalb fügte ich meiner Bewerbung einen Brief an den Direktor der Städelschule bei.

Da ich wusste, dass die Städelschule keinen Studenten in meinem Alter nimmt,
hatte ich sie  nicht im Unklaren darüber gelassen, dass ich eine rechtswidrige Ablehnung nicht akzeptiere.
Manch einer wird dies für ungeschickt halten, aber die Voraussetzung zur Aufnahme ist die künstlerische Begabung, nicht die Sympathie der Professoren.
Später allerdings sollte ich merken, dass im Buch " kunst lehren teaching art ", Mitherausgeber Daniel Birnbaum, das Gegenteil steht.


Nach einigen Wochen kam der Ablehnungsbescheid.

Da der Bescheid keinerlei Begründung enthielt, hatte ich den Verdacht, dass die Mappe gar nicht angeschaut wurde.
Warum sich die Arbeit machen, wenn die Ablehnung schon vorher feststeht?
Da ich aber eine Begründung verlangen würde, liess ich ( da ich in Frankreich war ) sofort die Mappe abholen.
Die nachträgliche Begründung wollte ich verhindern.

Von jetzt an ging alles seinen juristischen Gang. Der Anwalt legte Widerspruch ein und verlangte eine Begründung und die Bewerbungsakte mit Protokoll.
Die Bewerbungsakte kam an, mit dem Vermerk 60 Jahre.
Die Begründung blieb aus. Wie sollte sie auch ausfallen. Niemand wusste wohl, was in der Mappe war und wie man die Ablehnung begründen sollte.
Die Begründung blieb immer noch aus. Es gab kein Protokoll. Niemand weiss, wer welche Arbeiten wann angeschaut und wie beurteilt hat.

Da die Aufnahmeprüfung ( 11. und 12.7.07 ) näherrückte, stellte mein Anwalt am 6.7.07 einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordung.
Es sollte erreicht werden, dass ich zur Aufnahmeprüfung zugelassen werde.
Dieser Antrag wurde am 10.7.07 von einer Richterin abgewiesen.
Es machte keinen Sinn Rechtsmittel einzulegen, da die Aufnahmeprüfung inzwischen ( nach der Zustellung ) vorbei war.

Der Widerspruch wurde nicht bearbeitet. Es war keine Mappe da.
Die Städelschule behauptete, dass sie mich zur nochmaligen Abgabe der Mappe aufgefordert habe, um den Widerspruch bearbeiten zu können.
Dies ist definitiv falsch, aber auch unerheblich. Ich hätte mich geweigert , die Mappe nochmals abzugeben.
Ich bin der Meinung, dass die Reihenfolge so sein soll:
Begutachtung, Begründung, Benachrichtigung.
Wie man später aber noch feststellen kann, scheint es der Weg der deutschen Kunsthochschulen zu sein.
Auch an der UdK und der Kunsthochschule Weissensee war der Weg:

Ablehnen.

Wer dann motzt, muss halt die Mappe nochmals abgeben, damit man eine Begründung zusammenbasteln kann.

Am 29.11.2007 reichte der RA Klage ein gegen die
Staatliche Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) Frankfurt.